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Wetter und Gelenkschmerzen: was die Forschung wirklich sagt

Menschen mit Arthrose sagen seit Jahrhunderten, dass sie einen Wetterumschwung in den Gelenken spüren. Lange konnte die Wissenschaft das nicht bestätigen. Eine große Studie hat das geändert, und das Ergebnis fällt nüchterner aus, als man hoffen würde.

1Warum Studien es lange nicht fanden

Dass Menschen das Wetter kommen spüren, ist kein neuer Gedanke. Das Problem war immer das Messen. Untersuchungen zu Wetter und Schmerz arbeiteten mit kleinen Gruppen, liefen oft nur ein paar Wochen und nutzten Werte einer Wetterstation, die zig Kilometer entfernt stehen konnte. Wer im Tal oder an der Küste wohnt, hat anderes Wetter als der Flughafen, von dem die Zahlen stammen.

Dazu kommt, dass Schmerz von Tag zu Tag schwankt, aus Gründen, die mit dem Wetter nichts zu tun haben: eine schlechte Nacht, ein voller Tag, ein Gelenk, das falsch belastet wurde. In einer kleinen Gruppe geht ein kleiner Wettereffekt in diesem Rauschen unter.

2Was die Manchester-Studie anders machte

Die Universität Manchester ging es in Cloudy with a Chance of Pain anders an. Mehr als 13.000 Menschen mit anhaltenden Schmerzen hielten fünfzehn Monate lang täglich ihre Beschwerden auf dem eigenen Handy fest. Das Handy lieferte auch den Standort, sodass das Wetter mit dem Ort verknüpft werden konnte, an dem die Person tatsächlich gerade war.

Ebenso wichtig war die Art des Vergleichs. Nicht Menschen untereinander, sondern jede Person mit sich selbst: Tage mit mehr Schmerzen gegen Tage ohne, im selben Körper und unter denselben Lebensumständen. Damit fallen Unterschiede zwischen Personen weg, und es bleibt, was sich von Tag zu Tag ändert.

3Das Ergebnis: Feuchtigkeit zuerst

An feuchten, windigen Tagen mit niedrigem Luftdruck lag die Wahrscheinlichkeit für einen schmerzhafteren Tag rund 20 Prozent höher. Die Rangfolge war deutlich: die Luftfeuchtigkeit wog am schwersten, danach niedriger Luftdruck, danach Wind.

Zwei Punkte sind dabei bemerkenswert. Kälte erwies sich für sich genommen nicht als eigenständiger Faktor, obwohl gerade Kälte das ist, was viele zuerst nennen. Und der Zusammenhang blieb bestehen, nachdem die Forschenden für Stimmung und für das Ausmaß der Bewegung korrigiert hatten, zwei Erklärungen, die sonst nahegelegen hätten.

Wie groß ist der Effekt nun? Die Forschenden rechneten es selbst vor: von etwa 5 auf 6 Schmerztage pro 100. Das ist eine echte Verschiebung und zugleich eine bescheidene. Wer hofft, das Wetter erkläre eine ganze schwere Woche, wird enttäuscht.

4Was sich praktisch damit anfangen lässt

Der Gewinn liegt im Planen, nicht im Vermeiden. Das Wetter lässt sich nicht ändern, und drinnen bleiben muss deswegen niemand. Aber wer weiß, dass feuchte, windige Tage mit fallendem Druck für ihn ungünstig sind, kann die schweren Arbeiten verschieben. Die Umzugskartons, der Garten, der lange Tag unterwegs: lieber an einem Tag, der günstiger ausfällt.

Das funktioniert nur, wenn man weiß, ob es einen selbst betrifft. Der Durchschnitt aus einer Studie mit 13.000 Menschen sagt nichts über Ihr Knie. Manche reagieren auf Feuchtigkeit, andere auf Druck, und ein Teil auf nichts davon.

5Was es nicht bedeutet

Das Wetter verursacht keine Arthrose. Es scheint damit zusammenzuhängen, wie sich ein Tag anfühlt, nicht mit dem Entstehen oder Fortschreiten der Erkrankung selbst. Ein Umzug in ein trockenes Klima ist deshalb keine Behandlung, und niemand in dieser Untersuchung wurde dadurch seine Arthrose los.

Es ist auch keine Vorhersage. Eine Wahrscheinlichkeit, die etwas höher liegt, bleibt eine Wahrscheinlichkeit. Ein feuchter Tag kann gut ausgehen und ein trockener schlecht.

Mit Artrio

Das eigene Muster findet man nur, indem man es festhält. Artrio notiert täglich, wie es Ihren Gelenken geht, und stellt automatisch die Luftfeuchtigkeit, den Luftdruck und den Wind für Ihren Standort daneben. Nach ein paar Wochen zeigt die App, ob es bei Ihnen einen Zusammenhang gibt, und sagt ehrlich, wenn die Daten noch nicht reichen oder wenn kein Zusammenhang zu finden ist.

Selbst herausfinden

Artrio gibt es bei Google Play. Der tägliche Check-in ist kostenlos, und alles bleibt auf dem Telefon.


Quellen: Dixon WG u.a., Cloudy with a chance of pain: engagement and subsequent attrition of daily data entry in a smartphone pilot study tracking weather, disease severity, and physical activity. npj Digital Medicine, 2019. nature.com · Pressemitteilung der Universität Manchester. manchester.ac.uk

Artrio ist ein Tagebuch, kein Diagnose- oder Behandlungswerkzeug. Bei Fragen zu Beschwerden oder Medikamenten wenden Sie sich an die Hausarztpraxis, die Physiotherapie oder die Rheumatologie.